Pumpspeicherwerk: Stadtwerke Mainz AG beginnt mit dem Raumordnungsverfahren

Zukunftsprojekt „PSW Heimbach“ nimmt konkrete Gestalt an – Unterbecken im Steinbruch

MAINZ. Die Stadtwerke Mainz AG hat bei der zuständigen Genehmigungsbehörde SGD Süd in Neustadt die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren zum Bau des geplanten Pumpspeicherwerks „PSW Heimbach“ eingereicht. Das Raumordnungsverfahren ist einer von mehreren erforderlichen Verfahrensschritten. Die eigentliche Zulassung des Projektes erfolgt erst im anschließenden Planfeststellungsverfahren. Bei einem Pressegespräch erläuterte Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne heute in Mainz den aktuellen Stand der Planungen.

Um was geht es beim PSW Heimbach genau? Vor knapp drei Jahren hatten die Stadtwerke ihre Zukunftsidee zum Bau eines Pumpspeicherwerks auf dem Franzosenkopf erstmals öffentlich präsentiert. Die Stadtwerke Mainz AG möchte in den nächsten zehn Jahren auf dem mehr als 600 Meter hohen Franzosenkopf bei Niederheimbach am Mittelrhein ein Oberbecken errichten. In Zeiten, in denen mehr Strom produziert als gebraucht wird, kann Wasser aus einem Unterbecken den Berg hinauf ins Oberbecken gepumpt werden. Das Wasser auf dem Berg kann abgelassen werden zu Zeiten, in denen mehr Strom benötigt wird, als Kraftwerke oder erneuerbare Energieträger wie Windräder und Solaranlagen liefern können. Wird das im Oberbecken gespeicherte Wasser durch Rohre abgelassen, kann es unten im Berg Turbinen antreiben und die zuvor gespeicherte Energie wird so umgewandelt in Strom. Für den Ausbau der unstetig zur Verfügung stehenden Erneuerbaren Energien wie Sonne und Windkraft sind solche Speichermöglichkeiten unverzichtbar.

„In den vergangenen zwei, drei Jahren ist in vielen Gesprächen mit Bürgern, Behörden und engagierten Vertretern von Umweltverbänden aus einer Projektidee ein konkretes Vorhaben geworden“, umschreibt Höhne die bisherige Arbeit. In dieser Zeit wurde das PSW-Projekt in einigen wichtigen Punkten weiterentwickelt. Ein Teil dieser Veränderungen geht auch auf Erfahrungen und Ergebnisse des Dialogprozesses zurück, den die Deutsche Umwelthilfe (DUH) seit Mitte 2011 im Auftrag der Stadtwerke mit Umweltverbänden und der Öffentlichkeit führt.

Insbesondere bei der Größe des Vorhabens, der Lage des Oberbeckens auf dem Franzosenkopf und beim Unterbecken gibt es deutliche Veränderungen. Ursprünglich war das Pumpspeicherwerk mit einer Leistung von 400 bis 600 Megawatt (MW) geplant, inzwischen wurde die Leistung der Anlage auf 280 bis 320 MW reduziert. Dadurch wird das Oberbecken kleiner. Vorteil: Im FFH-Gebiet kann ein kleineres Oberbecken naturverträglicher auf dem Franzosenkopf angeordnet werden. Hauptbestandteile des PSW Heimbach sind das Ober- und Unterbecken, die Stollen als Verbindungen von Ober- und Unterbecken oder zur Energieableitung, das Kraftwerk, Stromableitungstrassen sowie Baustellen- und Unterhaltungszufahrten. Abgesehen von Ober- und Unterbecken liegen alle Anlagenteile unter der Erde, insbesondere das Kraftwerk, Transformatoren, Schaltanlage und Wasserwege. Diese sind damit nicht zu sehen. Für die notwendige Ableitung des Stroms wurden jetzt alternativ zwei Erdkabelvarianten beantragt. Das Oberbecken wird eine Ausdehnung von 300 mal 440 Meter haben und eine Fläche von rund 14 Hektar aufweisen.

Die ursprüngliche Idee, den Rhein als Unterbecken zu nutzen, wurde im Laufe der Planungen verworfen, da dieses Konzept den Schiffsverkehr auf dem Rhein zu stark beeinträchtigt hätte. Als Unterbeckenstandort soll stattdessen eine Teilfläche des bestehenden Steinbruchs der Hartsteinwerke Sooneck bei Trechtingshausen genutzt werden. Die Ausmaße des Unterbeckens betragen 220 mal 250 Meter. Ober- und Unterbecken verfügen über eine Höhendifferenz von 467 Metern und werden durch eine unterirdische Druckleitung über die Maschinenkaverne miteinander verbunden. Die Kaverne ist senkrecht unter dem Oberbecken angeordnet. Die Pendelwassermenge des Pumpspeicherwerks beträgt etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Kubikmeter. Die Erstbefüllung des Pumpspeicherbeckens erfolgt über eine Rohrleitung aus dem Rhein. Der im PSW Heimbach erzeugte Strom wird über ein Erdkabel zur westlich des Oberbeckens verlaufenden 380kV-Freileitung der Amprion oder gegebenenfalls weiter zum Umspannwerk Erbach oder alternativ zum Umspannwerk Waldlaubersheim transportiert.

„Dem jetzt eingeleiteten Raumordnungsverfahren war ein umfangreiches Standortscreening vorgelagert“, erläutert PSW-Projektleiter Thomas Bach. Dabei wurde in einem für das Land Rheinland-Pfalz flächendeckend durchgeführten mehrstufigen Verfahren nach geeigneten Standorten für ein Pumpspeicherwerk gesucht. Darüber hinaus wurden sowohl technische Verfahrensalternativen geprüft und für alternative Energieableitungstrassen verschiedene Varianten untersucht. Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass das PSW Heimbach sowohl unter umweltfachlichen als auch unter technisch-wirtschaftlichen Gesichtspunkten die am besten geeignete Lösung darstellt.

Um den Bürgern die Information über das Projekt zu erleichtern, werden die Stadtwerke Mainz AG zeitgleich mit der Offenlegung der Antragsunterlagen durch die SGD Süd die vollständigen Unterlagen zum Raumordnungsverfahren auf der Webseite www.psw-heimbach.de für unbegrenzte Zeit veröffentlichen. Ein kompletter Unterlagensatz liegt dann außerdem im „PSW-Infozentrum“ im Bahnhof in Niederheimbach zu den Öffnungszeiten zur Durchsicht bereit. In den nächsten Wochen stehen außerdem in Niederheimbach und in Trechtingshausen zwei öffentliche Veranstaltungen auf dem Programm, bei denen die Bürger vor Ort über den Stand des PSW-Projektes informiert werden sollen und bei denen es ausreichend Gelegenheit für Fragen gibt. In Trechtingshausen beginnt der Infoabend im Konferenzraum der Turnhalle in der Rheinblickstraße am Donnerstag, 3. April, um 18.30 Uhr. In Niederheimbach soll das Pumpspeicherprojekt am Donnerstag, 10. April, 19 Uhr, in der neuen Gemeindehalle, Heimbachtalstraße 32, vorgestellt werden.

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